Das Meisterstück von Herrn Frers

19.10.2017 | Artikel über Voltabox (DE000A2E4LE9) von HBMännchen

Zusammenfassung

  • Voltabox ist eine Tochter von Paragon, die Muttergesellschaft hält immer noch ca. 60% des Aktienkapitals
  • Trotzdem war Voltabox bisher ein gutes Geschäft für Paragon
  • Kein Wunder, ist Paragon doch ein weiterer Überlebender des Neuen Marktes
  • Dennoch erinnert der IPO ein wenig an den Neuen Markt

Einschätzung

Kaufen Langfristige Anlage

Heute möchte ich mich mal aus aktuellem Anlass mit der Aktie der kürzlich an die Börse gegangenen Voltabox AG befassen. Der aktuelle Anlass sind dabei negative Nachrichten aus dem Hause Aumann, die heute sowohl Aumann als auch die Muttergesellschaft MBB etwas nach unten ziehen. Schließlich ist die Struktur bei Paragon und Voltabox durchaus ähnlich.

Allerdings hat mich gestern Abend beim Fußball gucken auch ein alter Schulfreund nach der Aktie gefragt, was mich schon sehr verwundert hat. Denn zum einen ist mir dieser Kumpel als sehr weit links stehend bekannt (fast schon kommunistisch, zumindest aber sozialistisch), so dass er Aktien und die Börse bis dato eher als Teufelszeug betrachtete. Und zum anderen ist Voltabox sicherlich nicht die bekannteste Aktie auf dem deutschen Kurszettel.

 


Unternehmensprofil

Voltabox ist ein Akku- und Batteriesystemhersteller, der in erster Linie Lithium-Ionen-Akkumulatoren (zur Funktionsweise, siehe wikipedia unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Lithium-Ionen-Akkumulator; wer in der Schule in Chemie/Physik ein wenig aufgepasst hat, weiß das aber auch so) für gewerbliche Hersteller von Nutzfahrzeugen wie bspw. Bergbauwagen, Busse oder auch Gabelstapler (Flurförderzeuge) herstellt. Zu den Kunden des noch recht jungen, aus der Paragon AG hervorgegangenen Unternehmens, zählen dabei so illustre Namen wie BMW, Komatsu oder auch KUKA.

 

Umsatz- und Gewinnentwicklung: Wachstum pur

Wie bereits erwähnt ist Voltabox eine Tochter von Paragon, die auch mit rund 60% des Aktienkapitals nach dem IPO immer noch die Mehrheit halten. Das Unternehmen existiert im Prinzip erst seit 2014. Schauen wir uns an, wie sich Umsatz und Gewinn seitdem entwickelt haben.

Im Jahr 2014 erzielte die Gesellschaft noch einen Jahresumsatz in Höhe von 4,55 Mio. Euro, der in 2015 auf 7,41 Mio. Euro deutlich gesteigert werden konnte (+62,6%). In 2016 wurde dann das Umsatzwachstum sogar auf knapp +100% beschleunigt, am Ende standen somit 14,49 Mio. Euro in den Büchern. Auch 2017e möchte man den Jahresumsatz wieder etwa verdoppeln und so spätestens 2019e die Marke von 100 Mio. Euro erreichen bzw. übertreffen.

Als Wachstumsunternehmen ist Voltabox dabei natürlich noch nicht (nachhaltig) profitabel. Zwar konnte man nach einem Verlust je Aktie in Hähe von -0,06 Euro in 2014 dann im Jahr 2015 einen Gewinn von 0,20 Euro je Aktie erzielen, dies war jedoch kein Gewinn aus dem operativen Geschäft. In 2016 standen am Ende denn auch wieder leichte Verluste (-0,02 Euro je Aktie) in den Büchern. Zurzeit geht Wachstum vor Profitabilität, was bei einem so jungen Unternehmen auch in Ordnung ist. Solange das Management mittelfristig die Profitabilität als Ziel nicht aus den Augen verliert.

Sorgen bereitet in der Bilanz daher eher, dass mit dem Umsatz auch die Verbindlichkeiten stets deutlich zulegten. Standen dort 2014 noch rund 13 Mio. Euro in der Bilanz, verdoppelte sich die Schuldenlast in 2015 fast auf letztlich 25 Mio. Euro. 2016 waren es dann schon 34 Mio. Euro. Insofern kommen die Einnahmen aus dem Börsengang sicherlich gerade Recht, denn damit lassen sich im Zweifel auch Schulden reduzieren. Liest man sich den IPO-Prospekt durch, so stellt man fest, dass Voltabox aus dem Börsengang rund 120 Mio. Euro zufließen sollten (5 Mio. neue Aktien x IPO-Preis von 24,00 Euro, abzgl.der Kosten für den Börsengang, die bei ca. 1,5 Mio. Euro liegen dürften). Das ist in Ordnung, der Börsengang ist nicht zum Zweck des Abkassierens durch die Altaktionäre durchgeführt worden.

 

Zukünftige Entwicklung: Chancen und Risiken

Dass der Börsengang ein Erfolg werden würde, war klar. Auch dank Tesla und deren phantastischer Kursentwicklung wird zurzeit der Trend zur E-Mobilität an der Börse gespielt. So wurden kürzlich den Banken schon die Aumann Aktien quasi aus den Händen gerissen, ähnlich lief es nun auch bei Voltabox. Insofern hat hier der Kopf hinter dem Ganzen, Paragon CEO Klaus-Dieter Frers, sicherlich seine Erfahrungen aus den Zeiten des Neuen Marktes genutzt. Ich komme daher an dieser Stelle nicht umhin Herrn Frers als einen sehr guten Manager zu bezeichnen. Insofern war auch der Börsengang, ausgerechnet an einem Freitag, dem 13., sicherlich ein kluger Marketinggag. Hoffen wir mal, dass dieser nicht - wie einst am Neuen Markt bei Gigabell ("das Unternehmen, das sich am Tag der Sonnenfinsternis an die Börse traute") - in einem Desaster endet.

Die Gründung 2014, als Tochter von Paragon, war jedenfalls genauso clever wie der jetzt zügig im Hype der E-Mobilität durchgezogene Börsengang. Es ehrt Herrn Frers dabei, dass er nicht die Paragon (an der er 50% plus eine Aktie hält) und damit letztlich sich selbst bereichern wollte, sondern der Großteil des Emissionserlöses auch tatsächlich in die weitere Entwicklung von Voltabox fließt.

Das aber auch eine Voltabox kein Selbstläufer und somit Risiken ausgesetzt ist, versteht sich von selbst. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich Tesla mit Panasonic zusammen getan hat und mit der "GigaFactory" die weltgrößte Batterie-Fabrik aus dem Boden stampfen möchte. Und heute feierte dann auch noch Varta sein Comeback an der Börse. Das zeigt, dass es durchaus große und namhafte Konkurrenten gibt und es sich letztlich doch um einen hart umkämpften Markt handelt. Ob ausgerechnet die noch relativ kleine Voltabox da bestehen kann, ist zumindest fraglich.

Sollte das natürlich klappen, winkt hier auf Jahre hinaus ein exorbitantes Wachstum, wie ja auch die ambitionierten Ziele des Unternehmens (Umsatz >100 Mio. Euro bis 2019e) beweisen. Im Prinzip, das muss man so klar formulieren, erhält man bei Voltabox die Chance sich noch in einer frühen Phase an einem Startup zu beteiligen, mit allen Chancen und Risiken die eine solche Beteiligung eben bietet.

 

Anleger blenden die Risiken zurzeit weitestgehend aus

Womit wir beim großen Problem dieser Aktie sind. Denn sie bietet große Chancen, aber eben auch große Risiken, die bis hin zum Totalverlust reichen können. Im aktuellen Hype um die E-Mobilität blenden die Anleger diese Risiken jedoch weitestgehend aus, weshalb der IPO auch so erfolgreich war. Dabei kann heute noch niemand, ja nicht einmal der umtriebige Top-Manager Frers, vorhersehen ob Voltabox eine große Nummer oder aber ein Rohrkrepierer wird. Wie die Vergangenheit, insbesondere der Neue Markt, gezeigt hat, ist beides möglich. Damals hoch gehandelte Börsenstars wie Intershop sind heute nahezu zu Pennystocks verkommen, andere damals gemiedene Aktien stehen hingegen heute auf Allzeithoch. Insofern sollte jedem Anleger, der sich heute an Voltabox beteiligt, schon klar sein, dass man entweder einen Tenbagger oder aber einen Totalverlust mit der Aktie einfahren kann. Ob jemand mit diesem Wissen im Hinterkopf auch noch bereit ist bis zu 30,00 Euro je Voltabox Aktie zu zahlen, muss jeder für sich selbst entscheiden.

 

Fundamentale Bewertung, wenn die Planungen halbwegs eingehalten werden

Sollte Voltabox sich einigermaßen gemäß der eigenen Planungen entwickeln und tatsächlich in 2019e die 100 Mio. Euro beim Umsatz knacken, wäre die Aktie ein Schnäppchen.Denn der aktuell Börsenwert liegt bei "nur" knapp 450 Mio. Euro. Somit läge das KUV 2019e bei rund 4,5, was moderat erscheint. Schafft man das jedoch nicht und landet am Ende vielleicht nur bei einem Umsatz in Höhe von 75 Mio. Euro, läge das KUV bei vergleichsweise hohen sechs. Entscheidend ist dabei dann nicht nur die absolute Höhe des KUV, sondern die Bewertung in Relation zum Wachstum. Bei einem Jahresumsatz über 100 Mio. Euro in 2019e hätte das Unternehmen ein durchschnittliches Wachstum (CAGR) von ca. +85% p.a, bei einem Jahresumsatz von "nur" 75 Mio. Euro in 2019e läge dieses jedoch "nur" bei ca. +75% p.a. Das wäre zwar immer noch exorbitant hoch, aber es ist doch ein gewaltiger Unterschied (hier sieht man mal, was der Zinseszinseffekt ausmacht!).

 

Charttechnik: zu kurze Historie!

Einen Blick auf die Charttechnik möchte ich mir an dieser Stelle schenken. Denn die Aktie ist erst seit sechs Tagen an der Börse notiert, so dass die Historie für qualitativ gute Aussagen viel zu kurz ist.

 

Fazit: Hohe Chancen bergen immer auch hohe Risiken, seien Sie sich dessen bewusst!

Das Fazit, was ich daher an dieser Stelle ziehen kann, muss oder auch darf, lautet: Seien Sie sich als Anleger darüber im Klaren, dass hohen Chancen immer auch hohe Risiken gegenüber stehen. Wenn Sie Roulette spielen und auf rot/schwarz setzen, können Sie ihr Geld entweder schnell verdoppeln oder aber komplett verzocken. Setzen Sie auf eine Zahl, können Sie ihren Einsatz mehr als ver30fachen, aber die Gewinnwahrscheinlichkeit ist eben noch viel geringer (<3%). Noch schlechter sieht es beim Lotto aus, zumindest wenn Sie den Jackpot knacken wollen.

Dieses eiserne Gesetz gilt natürlich auch und besonders an der Börse. Insofern kann man durchaus in Aktien wie Voltabox oder auch Medigene (ähnliches Chance/Risiko-Verhältnis!) investieren, man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass hier im Zweifel auch ein Totalverlust winken kann. Geht dagegen alles gut, kann es genauso gut ein Ver10facher oder Ver20facher werden. Aktuell ist das noch nicht absehbar, daher darf man auch nur "Spielgeld" auf solche Aktien setzen.

Dass sich ein Herr Frers der Risiken bewusst ist, zeigt der Börsengang. Denn zwar hält Paragon immer noch ca. 60% des Aktienkapitals, allerdings hat man damit wohl im Prinzip seinen Einsatz und noch etwas mehr raus und gibt einen Teil des Risikos aber eben auch der Chancen an andere Investoren (nämlich die Aktionäre der Gesellschaft) ab. Wollen Sie diese Risiken (und auch Chancen) übernehmen, können Sie zu den aktuellen Kursen deutlich unter 30 Euro zugreifen. Wenn nicht, lassen Sie es besser bleiben und setzen Sie auf solidere, berechenbarere Titel.

Offenlegung von eigenen Positionen

Ich halte keine Position (direkt oder über Derivate) in der in dem Artikel behandelten Aktie.

Offenlegung von Geschäftsbeziehungen

Ich habe diesen Artikel selbst geschrieben und meine eigene Meinung wiedergegeben. Ich erhalte keine Vergütung für diesen Artikel (außer ggf. von Spekunauten). Ich habe keine Geschäftsbeziehungen mit einem der im Artikel genannten Unternehmen.

    Kommentare (1)

  • JojoMN vor ungefähr 6 Monaten

    Super Artikel