Könnte eine 1000 US$ Aktie bis 2022 werden

07.07.2017 | Artikel über Tesla (US88160R1014) von Blaues Hufeisen

Zusammenfassung

  • Die Kursschwäche von Tesla ist mit der hohen Bewertung erklärbar und könnte sich locker bis 50% Kursverlust erhöhen.
  • Trotzdem wird das Model 3 und die kommenden Entwicklungen das Unternehmen revolutionieren.
  • Bis 2022 +/- zwei Jahre halte ich ein Kursziel von 1.000 US$ für möglich.

Einschätzung

Kaufen Langfristige Anlage

Die Tesla-Aktie zu halten, ist für viele Anleger ein Glaubenbekenntnis geworden. Elon Musk wird als nächster Steve Jobs gefeiert und es kann für die Aktie anscheinend nur einen Weg geben, den nach oben!

Leider ist die Realität nicht immer so simpel wie unser Gehirn es uns suggeriert.

Tesla baut einfach immer das beste Auto. Es soll das schnellste sein, das coolste und das sicherste. Letztere Aussage lässt sich aber nicht mehr halten. Tatsächlich schnitt ein Tesla Model S beim Crash Test des Insurance Institute for Highway Safety nur mit der Note "befriedigend" ab. Also einer glatten drei und damit sicher kein Klassenprimus.

Solche Nachrichten versetzen Anleger natürlich leicht in Panik. Doch der eigentliche Grund für die schwache Performance ist woanders zu suchen und eher eine Frage der fairen Bewertung.

Das Hauptproblem: Niemand weiß wo der faire Wert liegt!

Am liebsten würde ich heute das Votum: "kurzfristig verkaufen" verpassen. Das passt auch zur aktuellen Kursentwicklung und dem jünst erreichten Plateau bei den Verkäufen von höherpreisigen E-Modellen. So lagen die Auslieferungen der beiden Modelle X und S im 2. Quartal nur bei 22.000 Fahrzeugen, 2.000 weniger als prognostiziert.

Doch dies würde dem langfristigen Potenzial des Unternehmens nicht gerecht werden und darum entschließe ich mich heute zu einer langfristigen Kaufempfehlung unter Vorbehalt.

Denn es gibt im aktuennel Frühstadium noch zu viele Variablen, die bei der Bewertung eine Rolle spielen und das Endergebnis massiv beeinflussen können, so dass ich mich aktuell noch nicht auf ein endgültiges Urteil berufen kann.

Sicher, Tesla bedeutet eine Anlage in die Zukunft von Elektroautos und der einzige Automobilhersteller, der nicht einfach nur Einzelteile zusammenschraubt, sondern auch wesentliche Kompetenzen der Soft- und Hardwareentwicklung miteinander vereint. Tesla mit einem x-beliebigen Automobilhersteller vergleichen zu wollen, wäre etwa so wie Ende der 90er Jahre eine Apple mit einer Compaq oder Dell gleichzusetzen. 

Ein Goldman Sachs Analyst versuchte eine realistische Prognose und kam vor wenigen Tagen mit einem Kursziel von 180 US$ heraus. Das war schon ein Schock für die verwöhnten Aktienjünger, denn das Kursziel liegt glatt 40% unter dem aktuellen Niveau und wäre vom Allzeithoch vor zwei Wochen eine glatte Halbierung. 

Solche Kursschwankungen wäre für diesen zyklischen Wert, der die Technologie- und Autobranche vereint nicht weiter ungewöhnlich. Bereits 2015 hatte sich der Kurs von Tesla ausgehend vom Hoch fast halbiert.

Tritt die Prognose von Goldman Sachs ein, hätte die Aktie seit drei Jahren keine nennenswerten Kursgewinne mehr vorzuweisen. Das könnte wohl viele Tesla-Anhänger enttäuschen und einen Wasserfall von Verkäufen nach sich ziehen.

Die Bewertung rechtfertigt locker deutlich tiefere Kurse

Tesla hat heute eine Marktkapitalisierung von 47 Mrd. US$. Vor der Korrektur waren es 56 Mrd. US$. Dabei wird Tesla 2017 vorausichtlich gerade einmal knapp 100.000 Fahrzeuge ausliefern. Im letzten Jahr waren es etwas über 75.000.

Die Absatzlücke, die zwischen Tesla und einem gestanden deutschen Automobilkonzern aus Bayern klafft, ist geradezu frappierend. 

Zum Vergleich: Die BMW AG, die mit einer Marktkapitalisierung von rund 50 Mrd. € in vergleichbaren Regionen bewertet wird, hat 2016 fast 2,4 Millionen Autos verkauft. Wobei allein die Steigerung von 5% den gesamten Absatz von Tesla übertraf. 

Dass der Gewinn von BMW mit 7% Nettomarge und einer operativen Marge von 14% rund doppelt so hoch wie die etwa erwartete EBITDA-Marge von Tesla liegt, fällt den peniblen Erbsenzählern wie mir ebenfalls auf. Ich möchte das aber nicht überbewerten. Tesla steht ja noch am Anfang seiner Entwicklung.

Am Ende wird es das Wachstum sein, das über Sieg oder Niederlage von Tesla als Unternehmen entscheidet und auch darüber ob es einmal als gute Investition taugt.

Die Wachstumsaussichten bleiben intakt - Das Model 3 wird vieles verändern

Mit dem neuen Tesla Model 3, das zum 28. Juli erstmals ausgeliefert werden soll und schon 400.000 Vorbestellungen besitzt, wird alles anders werden. Schon bis Dezember wird die Monatsproduktion auf 20.000 hochgefahren werden, sofern alles glatt läuft und 2018 sollen insgesamt 500.000 Fahrzeuge gebaut und ausgeliefert werden. 2019 dann sogar 1 Million. Und so weiter... 

Stimmen diese Prognosen, dann würde Tesla spätestens in 5 Jahren mit großen Herstellern wie BMW gleichziehen. 

Der neue Tesla kostet auch nur 35.000 US$ und wird mit staatlichen Zuschüssen noch günstiger sein. Ein echtes Auto für den Massenmarkt.

Ob diese Prognose haltbar ist, werden die Käufer entscheiden, die in ihrem Kopf natürlich eine Rechnung aufmachen wie viel Reichweite mit den aktuellen Akkus möglich ist. Meine eigene Mindestreichweite, die ich mit einem E-Auto erreichen möchte liegt bei 400-500 Kilometern. Das Model 3 soll es auf etwa 350 km bringen, das liegt schon sehr nahe an meiner idealen Zielvorstellung und ich glaube darum, dass es für Großstadtmenschen, die jeden Tag pendeln und ihr Auto am Abend aufladen können, einen Markt für dieses Fahrzeug gibt. 

Wenn zeitnah die Infrastruktur ausgebaut wird, dürfte es spästens in zwei Jahren einen echten Massenmarkt für E-Autos geben. 

Nächste Kapitalerhöhung Anfang 2018

Dass Tesla bisher nur Verlust gemacht hat, ist bei dem schnellen Aufbau der Fabriken, dem eingeschlagenen Wachstumspfad und den Forschungsausgaben erklärbar. Banken würden eine solche waghalsige Tour nie tragen, darum ist die Finanzierung mit Aktien, die einzige gangbare Lösung. 

Irgendwann im 1. Halbjahr 2018 wird es auch wieder neue Aktien von Tesla geben. Privatanleger sorgen sich um die Verwässerung. Doch der Unternehmenswert von Tesla liegt immer noch sehr deutlich unter den bekannten Autoherstellern. Die langfristigen Kredite bei den großen wie General Motors oder Daimler liegt im Bereich von 100 Milliarden US$.

Es kann also davon ausgegangen werden, dass Kapitalmangel zunächst kein Problem für Tesla sein wird, so lange die Erwartungshaltung von jährlich 1 Mio. Autoverkäufen aufrecht gehalten wird.

Dies wiederspricht zwar allen Gepflogenheiten des traditionellen Kaufmanns, doch auch Kritiker dieser Finanzierungsstrategie müssen eingestehen, dass es bei vielen Tech-Startups funktionierte erst Milliarden Dollar in den Aufbau zu investieren und erst dann auf den Gewinn zu achten. Das beste Beispiel wäre hier wohl Amazon. 

Tesla muss den weltweiten Automobilmarkt konsolidieren um die Erwartungen zu erfüllen

Ob das Absatzziel von 1 Mio. Fahrzeugen 2019 realistisch ist, wird der Markt relativ bald erkennen. Je nachdem wird die Aktie dann 50% höher oder tiefer notieren als heute.

Der Schlüssel für die Bewertung liegt jedoch nicht darin. 

Wer heute eine Tesla Aktie kauft, tut dies hoffentlich nicht, um damit 100% zu verdienen, oder 50% zu verlieren. Es gibt für solche Spekulationen mindestens hundert mal mehr und vor allem sicherere Investments. 

Die meisten Anleger dürften bei Tesla auf den Verzehnfacher hoffen. 

Dies kann bei Tesla nur gelingen, wenn man den gesamten Automobilmarkt aufrollt, so wie es Apple mit dem Computer und Handy-Markt tat. Apples iPhone konnnte in der Zwischenzeit einen stabilen Marktanteil von 10-15% verteidigen.

Weltweit werden jedes Jahr 75 Millionen Automobile verkauft. Gelingt es Tesla mit rund 10% in diesen Markt einzudringen, dann wären langfristig 5 Millionen Auslieferungen möglich. Wenn sich Tesla dann am oberen Marktsegment orientiert und einen Aufpreis durchsetzen kann, wird das Gewinnniveau mitziehen und eine Marktkapitalisierung von mehr als 300 Mrd. US$ ermöglichen.

Der Aufbau dieser Kapazitäten wird locker weitere 100 Mrd. US$ kosten und muss mit neuen Aktien finanziert werden. 

Fazit

Auch wenn es nach den aktuellen Kursrückgängen nicht danach aussieht, dass Tesla eine lohnende Investition wird, könnte das ominöse Kursziel von 1.000 US$ pro Tesla Aktie dennoch im Rahmen der Möglichkeiten liegen. 

Die Risiken bleiben dennoch groß. Nur eine kleine Verfehlung der Absatzprognosen 2018 oder 2019 könnte die Aktie schnell wieder auf 200 US$ herunterbringen. Sogar ein Einbruch auf 100 US$ ist nicht auszuschließen. 

Wer dann immer noch an Teslas Zukunft glaubt sollte diese Kursschwäche zum langsamen Positionsaufbau nutzen. 

Spätestens 2022 wird das Rätsel gelöst sein. Dann wird sich die Tesla-Aktie wie heute eine Apple oder Amazon im Börsen-Olymp oder auf dem Börsenfriedhof neben Xerox, Lucent und Studebaker befinden.

Offenlegung von eigenen Positionen

Ich halte keine Position (direkt oder über Derivate) in der in dem Artikel behandelten Aktie.

Offenlegung von Geschäftsbeziehungen

Ich habe diesen Artikel selbst geschrieben und meine eigene Meinung wiedergegeben. Ich erhalte keine Vergütung für diesen Artikel (außer ggf. von Spekunauten). Ich habe keine Geschäftsbeziehungen mit einem der im Artikel genannten Unternehmen.

    Kommentare (4)

  • Schakal vor über 3 Jahren

    Bin mal gespannt ob mit dem Modell 3 alles glatt über die Bühne geht

  • i13 vor über 3 Jahren

    Ich denke, Tesla lediglich als "Autobauer" zu sehen, wird dem Unternehmen nicht gerecht.
    Vielmehr gehe ich davon aus, dass Tesla im zukünftigen Energiespeichermarkt massiv mitmischen wird, und dieses Standbein für das Unternehmen wichtiger werden wird, als seine Mobilitätslösungen. Nicht umsonst hat Musk mehrmals betont, dass er hier größeres Wachstumspotential sieht, als bei eAutos.

    Dies hier dürfte nur der erste Vorgeschmack darauf sein: https://electrek.co/2017/07/07/tesla-win-contract-powerpack-system-battery-australia/ .

    Sicherer, als auf einzelne eMobility- oder Energiespeicheranbieter zu wetten, ist ohnehin auf die Lieferkette zu setzen ... egal, wer bei eAutos das Rennen macht: Lithium und Cobalt gewinnen immer.

  • GrandmasterD vor über 3 Jahren

    Ich wollte vor 2 Wochen einen Artikel schreiben, warum TESLA die wohl größte aller Blasen am Aktienmarkt ist. Leider kam mir dann Goldman Sachs schon zuvor.
    Musk wird mit Tesla grandios scheitern und die Tesla-Bullen werden von den Bären mit E-Autos von günstigeren und besseren deutschen Autobauer überfahren.

    GrandmasterD vor über 3 Jahren

    Das soll aber die Qualität des Artikels in keinster Weise schmälern!

  • MMeier vor über 3 Jahren

    Da haben wir beide ja das gleiche Kursziel!! ;)

    Blaues Hufeisen vor über 3 Jahren

    Mein Kursziel liegt aber bei "Dausend" Euro :-)