Auf dem Weg zum Überflieger

13.12.2017 | Artikel über Boeing (US0970231058) von Ray123

Zusammenfassung

  • Boeing erstmals seit Jahren wieder besser aufgestellt als Airbus
  • Volle Auftragsbücher: Boomender Geschäftssektor, insbesondere in Asien
  • Erhöhung der Dividende um 20%, Kursziel bis 325 Dollar

Einschätzung

Aktie kaufen als langfristige Idee

Boeing (ISIN: US0970231058) oder Airbus (ehemals EADS) – es ist der scheinbar ewige Kampf um die Vorherrschaft am Himmel zwischen den beiden größten Flugzeugbauern der Welt. Dabei geht um vieles: Um Aufträge, Passagierzahlen, größere Fracht-Kapazitäten. Und natürlich um eine Menge Geld. In meiner heutigen Analyse möchte ich dabei den amerikanischen Flugzeugbauer genauer unter die Lupe nehmen und erörtern, weshalb sich hier im Gegensatz zu Airbus ein langfristiges Investment lohnen könnte.

Vor Kurzem fand auf der Pariser Luftfahrtmesse Le Bourget die alljährliche Luftfahrtmesse statt – jene Veranstaltungen, die von den Flugzeugbauern genutzt wird, um lukrative Deals mit potentiellen Kunden abzuschließen. In den Vorjahren war es stets das Management von Airbus, welches mit prall gefüllten Auftragsbücher aufwarten konnten. Doch in diesem Jahr ging Boeing als strahlender Gewinner hervor: Mit über 570 Verkehrsflugzeugen konnte der US-Flugzeugbauer die meisten Bestellungen und Vorverträge einsammeln. Der europäische Konkurrenz-Konzern heimste deutlich weniger Aufträge ein, nämlich nur Bestellungen für 326 Maschinen. Die Umsatzzahlen dazu sind nicht minder beeindruckend: Laut Preisliste haben Boeings Verträge aus Le Bourget einen Gesamtwert von 74,8 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 67 Milliarden Euro). Airbus kommt auf 39,7 Milliarden Dollar (ca. 35 Milliarden Euro).

Hier ein Blick auf die jüngsten Bestellungen bei Boeing; sie zeigen eindrucksvoll, dass die Auftragsbücher auf Jahre hinaus gut gefüllt sind:

  • Am 12. November 2017 unterzeichnete die Azerbaijan Airlines in Dubai einen Vertrag zur Auslieferung von fünf Boeing 787-8 im Listenwert von 1,95 Mrd. Dollar. Zur jüngsten Vereinbarung gehört auch ein bisher nur allgemein angekündigter, späterer Kauf von "zwei großen Frachtflugzeugen" bei Boeing.                                                                   
  • Ebenfalls am 12. November 2017 hat Emirates auf der Dubai Air Show eine feste Bestellung von 40 Dreamlinern der Version Boeing 787-10 bekannt gegeben. Mit Ersatzteilen komme der Auftrag auf einen Listenwert von 15,1 Mrd. Dollar, meldete Boeing. Die Auslieferungen sollen im Jahr 2022 beginnen.
  • Am 20. November 2017 hat Boeing einen Großauftrag der Leasingfirma Avolon für die 737 MAX erhalten. Die Iren bestellten 55 Boeing 737 MAX 8 und 20 Boeing 737 MAX 10 fest und erteilten Optionen für weitere 20 Boeing 737 MAX 8. Der Gesamtwert nach Listenpreis liegt bei etwa 11 Mrd. Dollar. Der Auftrag war bereits auf der Pariser Luftfahrtmesse 2017 angekündigt worden und wurde nun endgültig unterzeichnet. Boeing kommt bereits auf über 4000 Bestellungen von 92 Kunden für die unter anderem mit neuen CFM International LEAP-1B-Triebwerken überarbeitete MAX-Familie.

Wachsender Flugverkehrsmarkt in Asien bringt Boeing weiteren Auftrieb

Besonders auffällig war bei der vorgenannten Messe in Paris vor allem eines: Der asiatische Flugverkehrsmarkt wächst und wächst. So soll etwa die Zahl der Neubestellungen im Vergleich zum Jahre 2015 bis 2035 von 6.350 bis auf fast 17.000 Flugzeuge ansteigen; das Flugverkehrsaufkommen wird in den kommenden zwei Jahrzehnten durchschnittlich 4,7 Prozent betragen. Hier entstehen bedingt durch eine stetig wachsende Bevölkerung sowie einen höheren Wohlstand kontinuierlich neue beziehungsweise größere Absatzmärkte für die Fluglinien. Diese erweitern ihre Streckennetze permanent – und benötigen hierfür natürlich eine ganze Menge an neuen Maschinen. Allen voran: China, Indien, Japan und Indonesien.

Neue Maschinen, neue Hoffnungen

Gerade im Bereich der Mittelstreckenjets konnte Boeing gute Erfolge erzielen. Erst kürzlich hat der Airbus-Rivale eine neue Maschine aus dieser Kategorie vorgestellt: Die Langversion der 737 MAX 10. Für diesen Flugzeug-Typ konnte man allein 214 Bestellungen verbuchen. Der Flieger soll bis zu 230 Passagiere fassen und damit zehn mehr als die Vorgängerversion, die MAX 9. Boeing versucht so zu Airbus aufzuschließen, dessen A321neo bis zu 240 Fluggäste befördern kann. Bei dem „Jumbo-Jet“ sieht es hingegen weiter trübe aus. Genauso wie auch Airbus mit seinem Riesenflieger A380 kaum Interessenten findet, hat auch Boeing die Produktion wegen der dürftigen Auftragslage deutlich gedrosselt. Im Gespräch ist daher den Jumbo-Jet als sparsame Frachterversion weiter zu entwickeln.

FAZIT: Herausforderungen der Zukunft – Zwischen Investitionen und Ethik

Gerade wegen der Dauer-Konkurrenzschaft mit dem Erzrivalen Airbus wird Boeing seine Flugzeug-Modelle weiter entwickeln müssen, wenn man sich dauerhaft vor den Europäern absetzen will. Man wird auch weiterhin versuchen, den Spritverbrauch pro Sitzplatz zu senken, da das Kerosin neben den Wartungskosten die größte Position beim Unterhalt eines Flugzeuges ausmacht. Die Senkung des Kerosinverbrauchs ist sowohl aus ökologischer wie auch ökonomischer Sicht wichtig. Der Anteil des Luftverkehrs an der gesamten CO2-Emission, die aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe resultiert, beträgt zwar nur 2,46%. Dies entspricht aber 654 Millionen Tonnen CO2 jährlich.

Auch darf man nicht verschweigen, dass das internationale Flugverkehrsmanagment (ATM) in den vergangenen Jahren stark perfektioniert worden ist, sodass die Airlines ihr zunehmendes Passagiervolumen deshalb auch mit mittelgroßen Flugzeugen oftmals sehr gut meistern. "Klasse statt Masse" - so könnte man es auch kurz und knapp zusammenfassen.

Verschweigen möchte ich zum Abschluss meiner Analyse aber auch einen moralischen Aspekt nicht: Denn auch die Aussichten betreffend den Rüstungsbereich sind sehr gut. Leider wird weltweit wieder kräftig aufgerüstet. Und davon dürfte auch Boeing als einer der weltgrößten Hersteller von Kampfflugzeugen und Militärhubschraubern in erheblichem Umfang profitieren. Im vergangenen Jahr wurden immerhin beinahe 31 Prozent der gesamten Konzernerlöse in der Rüstungs- und Raumfahrtsparte erzielt.

 

Charttechnischer Ausblick, Dividende & Kursziel

Charttechnisch betrachtet ist die Kursentwicklung von Boeing ein Augenschmaus. Seit Jahresanfang 2017 liegt die im Dow Jones gelistete Aktie mit über 81 Prozent im Plus und die gegenwärtige  Marktkapitalisierung beträgt rund 169 Mrd. US-Dollar. Der positive Trend dürfte sich weiter fortsetzen. Daher sehe ich auch auf 12-Monats-Sicht ein Kursziel von 300,00 US-Dollar. Die US-Bank JPMorgan hat das Kursziel für Boeing vor Kurzem sogar auf 325 US-Dollar angehoben und die Einstufung auf "Overweight" belassen. Zur Begründung führte der Analyst Seth Seifman unter anderem an, dass er den Sektor insgesamt auch für 2018 positiv einschätze, auch wenn die Erträge nach der guten Entwicklung 2017 etwas moderater ausfallen dürften.

Zudem hat man sich auch entschlossen, das Aktienrückkaufprogramm "aufzubessern" und nun Aktien im Volumen von insgesamt 18 Mrd. US-Dollar innerhalb der nächsten 24 bis 30 Monaten zurück zu kaufen.

Ein Wort noch zur Dividendenpolitik des US-Konzerns: Wie der amerikanische Flugzeughersteller Boeing soeben bei Erstellen dieser Analyse bekannt gab, will man die Quartalsdividende um 20 Prozent auf 1,71 US-Dollar je Aktie erhöhen. Boeing erhöht damit die Dividende das siebte Jahr in Folge. Seit dem Jahr 1942 wird ununterbrochen eine Dividende bezahlt.

Die nächste Dividende wird übrigens am 2. März 2018 (Record day: 9. Februar 2018) ausbezahlt. Auf das Jahr hochgerechnet schüttet Boeing damit künftig 6,84 US-Dollar an die Investoren aus. Die derzeitige Dividendenrendite beträgt beim aktuellen Börsenkurs gute 2,40 Prozent.

Konservative Anleger sollten auf einen Rücksetzer warten; im Bereich von 240-250 USD würde sich eine attraktive Chance für ein Langfristinvestment eröffnen.

(Quellen: boeing.com, finanznachrichten.de, onvista.de, flugrevue.de)

 

Offenlegung von eigenen Positionen

Ich halte eine Long-Position (direkt oder über Derivate) in der in dem Artikel behandelten Aktie.

Offenlegung von Geschäftsbeziehungen

Ich habe diesen Artikel selbst geschrieben und meine eigene Meinung wiedergegeben. Ich erhalte keine Vergütung für diesen Artikel (außer ggf. von Spekunauten). Ich habe keine Geschäftsbeziehungen mit einem der im Artikel genannten Unternehmen.

Kein Spekunaut hat diese Aktie im Portfolio

Zum Portfolio hinzufügen

    Kommentare (7)

  • Da_Bua vor ungefähr einem Monat

    Toller Bericht,sehr Informativ und leicht verständlich. Sehr gute Arbeit. Danke nochmal für den Tip

  • Thor77 vor 4 Monaten

    Gibt Übernahmegerüchte.
    NEW YORK (dpa-AFX) - Der weltgrößte Flugzeugbauer Boeing spricht mit seinem brasilianischen Rivalen Embraer über eine Übernahme. Das bestätigten die Unternehmen am Donnerstag. Mit dem Deal würde Boeing in den Markt für kleinere Jets vorstoßen, ähnlich wie es Airbus mit dem kanadischen Flugzeugbauer Bombardier und dessen neuer C-Serie gemacht hat.

    Ray123 vor 4 Monaten

    Danke für den Hinweis Thor77!

    2017 wird in die Geschichtsbücher der Flugzeugindustrie eingehen. Die vier weltgrößten Flugzeughersteller könnten sich zu zwei Gruppen neu formieren. Nur zwei Monate nach dem Bündnis zwischen Airbus in Europa und Bombardier in Kanada haben die USA jetzt eine Antwort parat. Sollte Boeing tatsächlich von der brasilianischen Regierung grünes Licht für einen Einstieg bekommen, wäre es eine Multimilliarden-Transaktion. Die Embraer-Aktie reagierte bereits auf die ersten Ankündigungen mit einem Kurssprung um gut 20 Prozent. Mal sehen wie sich diese Geschichte weiter entwickelt...

  • Thor77 vor 4 Monaten

    Gibt Übernahmegerüchte.
    NEW YORK (dpa-AFX) - Der weltgrößte Flugzeugbauer Boeing spricht mit seinem brasilianischen Rivalen Embraer über eine Übernahme. Das bestätigten die Unternehmen am Donnerstag. Mit dem Deal würde Boeing in den Markt für kleinere Jets vorstoßen, ähnlich wie es Airbus mit dem kanadischen Flugzeugbauer Bombardier und dessen neuer C-Serie gemacht hat.

  • busdriver08 vor 4 Monaten

    Ein gut aufgestelltes Unternehmen,welches, Trump sei Dank,einen nicht zu vernachlässigen Wettbewerbsvorteil bekommen wird.Sehr guter Bericht,lieber Ray.Gerne mehr davon...

    Ray123 vor 4 Monaten

    Vielen Dank für das Lob!

  • MMeier vor 4 Monaten

    Boeing will die Reform für massive Aktienrückkäufe nutzen, nice!!

  • Thor77 vor 4 Monaten

    Wie immer sehr guter Artikel ray. Trumps Steuerreform könnte Boeing zusätzlich helfen.

    Ray123 vor 4 Monaten

    Danke Thor77 :)
    Je nach Ausgestaltung der Steuerreform könnte dies für Boeing zusätzlich nochmals 15% mehr Gewinn bedeuten. JP Morgan hat dies wohl in ihrer Kursfindung bereits mit eingerechnet.

  • RJ vor 4 Monaten

    Guter Artikel lieber Ray123.

    Ray123 vor 4 Monaten

    Vielen Dank für das Kompliment, lieber RJ!