Der ungebrochene Siegeszug: Schweizer Qualität seit 1897

23.11.2017 | Artikel über Lonza Group (CH0013841017) von Ray123

Zusammenfassung

  • Übernahme des US-Kapselherstellers Capsugel bislang ein voller Erfolg
  • Bewegte Firmengeschichte: Skandale, Fusionen und Übernahmegerüchte
  • Große Produktpalette, einer der führenden Anbietern von Produkten und Dienstleistungen für die Gesundheitsindustrien
  • Starkes erstes Halbjahr und gute Wachstumsaussichten für die kommenden Jahre

Einschätzung

Aktie kaufen als langfristige Idee

Die im Schweizer Leitindex (SMI) gelistete Aktie von Lonza (WKN: 928619 / ISIN: CH0013841017) ist einer jener Standardwerte, die nur wenige Investoren wirklich mit Interesse verfolgen. Dabei sorgte der Basler Pharmakonzern zuletzt Ende 2016 für Schlagzeilen: Die Übernahme des US-Kapselherstellers Capsugel für 5,5 Mrd. US-Dollar galt vielen Aktionären erstens als zu teuer und zweitens ließen sich die beiden Geschäftsmodelle schlecht miteinander verbinden. Der Schweizer Pharmakonzern ließ sich von seinen Plänen aber nicht abbringen, wies die Kritik zurück und vollzog schließlich die Übernahme.

Seit Juli diesen Jahres ist die Transaktion abgeschlossen – und Lonza zählt zu den großen Gewinnern an der Schweizer Börse. Mit einem Kursplus von 57 Prozent seit Jahresbeginn ist der Valor der erfolgreichste Titel im SMI. Die US-Investmentbank J.P. Morgan nahm Lonza jüngst in ihre Liste der «European Best Equity Ideas» auf. Für mich sind das Gründe genug um sich die Aktie mal genauer anzuschauen.

Wie Phönix aus der Asche

Der Börsenerfolg des Pharmakonzerns kommt nicht von ungefähr. In den vergangenen fünf Jahren hat sich bei Lonza viel getan: Als Firmenchef Richard Ridinger im Jahr 2012 die Führung übernahm, stand er vor einem Scherbenhaufen. Die Konzernstrategie funktionierte nicht, der Gewinn war eingebrochen, der Aktienkurs ebenfalls. Und die Gesundheitsbranche stand weltweit  - gelinde ausgedrückt - nicht wirklich im Anlegerinteresse.

So drohte der Pharmatitel Lonza in der Versenkung des Vergessens zu verschwinden, sogar Übernahmegerüchte des anderen Schweizer Pharamriesen Roche Holding Ltd. sowie des US-Pharamriesen Pfizer Inc. machten die Runde auf dem Börsenparkett. Aber die Geschichte lehrt einmal mehr: Totgesagte leben länger! 

CEO Ridinger baute radikal um, verschrieb Lonza einen harten Sparkurs und trieb konzerneigene Innovationen voran. All das hat gewirkt: Lonza ist wieder auf dem aufsteigenden Ast. 

Und auch der jüngste Akquisation von Capsugel zeigt erste postive Ergebnisse: Es ist bereits zu ersten kommerziellen Synergien in Form von gemeinsamen Produktangeboten in den Bereichen Consumer Health und Sports Nutrition gekommen. 

Kein Wunder, dass Konzernchef Ridinger daher seit einigen Monaten auch wieder positiver in die Zukunft schaut. Bis 2022 peile das Unternehmen bei einem Umsatz von 7,5 Milliarden Schweizer Franken (CHF) eine operative Rendite (Kern-Ebitda-Marge) von 30 Prozent an. Aber er weiß auch um die wechselnden Schwierigkeiten in der Pharmabranche. Nirgendwo sonst liegen Chacen und Risiken so eng beieinander.

Starkes erstes Halbjahr - doch wie wird das zweite Halbjahr?

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 27 ist der Valor inzwischen nicht mehr günstig. Viele Investoren dürften in den kommenden Monaten Gewinne mitnehmen und den Kurs wieder sinken lassen.

Für das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres meldete der Pharmazulieferer ebenfalls starke Zahlen: Der Umsatz stieg um gut 15 % auf einen Wert von 2,3 Mrd. CHF, die operative Rendite stieg auf 24,8 %. Aufgrund der anhaltend starken Nachfrage erwartet Lonza ein ähnliches Wachstum auch für das zweite Halbjahr und bestätigte seine Jahresprognose. 

Denn zum Geschäft der Lonza gehören auch Produktion und Prozessbegleitung von pharmazeutischen Wirkstoffen und das Microbial-Control-Geschäft. Ihre Aktivitäten umfassen auch die Bereiche Wasserbehandlung, Körperpflege, Gesundheit und Hygiene, industrielle Konservierung, Materialschutz und Holzbehandlung sowie die zellbasierten Forschung, in Endotoxin-Nachweissystemen sowie die Herstellung von Produkten für die Zelltherapie.

Skandale, Übernahmen und Innovationen

Lonza wurde schon 1897 gegründet und nach einem Fluss im schweizerischen Wallis benannt. Im eigenen Elektrizitätswerk wurden zunächst Calciumcarbid und Acetylen hergestellt, und niemand glaubte damals an den Durchbruch der Elektrizität in Privathaushalten. Lonza musste sich über mehr als 100 Jahre immer wieder neu ausrichten, um sich anzupassen. Und so weiß die firmeneigene Chronik über eine Menge Ereignisse zu berichten: Von Namensänderungen über großangelegte Fusionen, von Umweltskandalen und Millarden-Übernahmen. Ein Beispiel: Im Jahr 2011 erfolgte mit dem Kauf des US-amerikanischen Biozidherstellers Arch Chemicals für rund 1,6 Milliarden CHF eine Wahnsinnstransaktion, der den Konzern fast an den Rand des finanziellen Kollaps gebracht hätte.

Und trotz alledem: Lonza zählt heute zu den weltweit führenden Anbietern von Produkten und Dienstleistungen für die Pharma-, Gesundheits- und Life-Sciences-Industrien und ist in der Lage, die Kunden vom Forschungsstadium bis hin zur Endproduktion mit ihren Lösungen zu begleiten. Zudem ist der Pharmakonzern Weltmarktführer in der Produktion und Prozessbegleitung von pharmazeutischen Wirkstoffen, sowohl im chemischen als auch im biotechnologischen Bereich sowie führende Anbieterin hochwertiger chemischer und biotechnologischer Zwischenprodukte für die Märkte Ernährung, Hygiene, Wasser- und Holzbehandlung, Agro und Körperpflege.

Auch Projekte mit anderen Unternehmen stehen auf der Agenda: So kündigte Lonza im Februar an, gemeinsam mit dem französischen Pharmakonzern Sanofi eine neue Fabrik für Biopharmazeutika zu bauen. Die Investitionssumme beträgt insgesamt 290 Millionen CHF (rund 270 Millionen EUR), welche zu gleichen Teilen von beiden Vertragspartnern getragen wird.

FAZIT

Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass die Produktpalette breit und solide aufgestellt ist, und man den Turnaround in den letzten Jahren erfolgreich geschafft hat. Kursrücksetzer unter 200,00 EUR sollte man daher zu strategischen Käufen nutzen; mein persönliches Kursziel für die kommenden 12 Monate liegt bei 275,00 EUR pro Aktie. Nicht zu verachten ist auch die alljährliche Dividende von zur Zeit 2,55 CHF pro gehaltener Aktie, welche aber in den kommenden Jahren bis auf 5,00 CHF beinahe verdoppelt werden soll.

Auch die Schweizer Notenbank zwingt den eidgenössischen Anleger mit ihrer immer noch expansiven Geldpolitik direkt in Sachwerte (wie Aktien) zu investieren und dürfte damit auch indirekt dem Schweizer Aktienmarkt in nächster Zeit eine gewisse Stütze sein.

 

Offenlegung von eigenen Positionen

Ich halte keine Position (direkt oder über Derivate) in der in dem Artikel behandelten Aktie.

Offenlegung von Geschäftsbeziehungen

Ich habe diesen Artikel selbst geschrieben und meine eigene Meinung wiedergegeben. Ich erhalte keine Vergütung für diesen Artikel (außer ggf. von Spekunauten). Ich habe keine Geschäftsbeziehungen mit einem der im Artikel genannten Unternehmen.

Kein Spekunaut hat diese Aktie im Portfolio

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    Kommentare (2)

  • ThomasCromwell vor 20 Tagen

    Vielen Dank für den wieder sehr interessanten Artikel. Muss gestehen, dass ich vorher noch nie von der Firma gehört habe, beschäftige mich aber auch nicht so mit den europäischen Aktienmärkten (außer Deutschland). Kommt auf jeden Fall mal auf die WL. Weiter so.

    Ray123 vor 20 Tagen

    Ich danke dir, lieber Thomas!
    Dafür ist diese Plattform ja geschaffen worden um unentdeckte Perlen bekannt zu machen :)

  • Blaues Hufeisen vor 21 Tagen

    Sehr schön, dass auch Schweizer Aktien besprochen werden. Die Lonza war und ist eine großartige Erfolgsstory und ich wünsche allen Aktionären viel Erfolg.

    Ray123 vor 20 Tagen

    Aktienvielfalt ist wichtig und spannende Investments gibt es auch außerhalb Deutschlands ebenso zu finden :)

    busdriver08 vor 16 Tagen

    Wieder ein mir unbekannter Wert...sehr schöne Investmentidee...weiter so...