Umsatz- und Gewinnwarnung war im Chart schon erkennbar!

19.10.2017 | Artikel über KION (DE000KGX8881) von MMeier

Zusammenfassung

  • KION hat heute mit einer Umsatz- und Gewinnwarnung "überrascht"
  • Im Chart war diese bereits erkennbar, wer wusste da wohl mehr?
  • Kurzfristig könnte die Aktie durchaus unter 60 Euro zurückfallen!
  • Es sei denn der chinesische Großaktionär Weichai Power nutzt die Gunst der Stunde

Einschätzung

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Aus aktuellem Anlass habe ich mich dazu entschieden eine Einschätzung zur Aktie der KION Group zu schreiben. Denn das Unternehmen "überraschte" heute früh mit einer Umsatz- und Gewinnwarnung, woraufhin die Aktie der mit Abstand größte Verlierer im MDAX ist. Ich möchte der Frage nachgehen, ob Anleger hier übertreiben oder die Aktie noch weiter fallen könnte. Schauen wir uns das mal gemeinsam in aller Ruhe an!

 

Unternehmensprofil

Die KION Group ist im Prinzip aus dem DAX-Konzern Linde hervorgegangen. Dieser wollte sich seinerzeit auf sein Geschäft mit Industriegasen fokussieren und trennte sich daher von seinem Geschäft mit Gabelstaplern. Gekauft wurde dieser ehemalige Geschäftsbereich von Linde dabei zunächst von Finanzinvestoren rund um Goldman Sachs. Diese trimmten das neue Unternehmen schließlich stark auf Profitabilität und verkauften ihre Anteile dann mit Gewinn über die Börse. Ein für alle Seiten lukratives Geschäft, auch wenn "Heuschrecken" beteiligt gewesen sein mögen.

Heute sieht sich die KION Group daher selbst als einen weltweit führenden Anbieter von Gabelstaplern, Lagertechnik sowie damit verbundenen Dienstleistungen und natürlich Supply-Chain-Lösungen. Dabei verfügt man über Kunden in mehr als 100 Ländern und optimiert für diese seinen Logistik-Lösungen den Material- und Informationsfluss in Fabriken, Lagerhäusern und Vertriebszentren. In Europa ist KION dabei die Nr. 1 und weltweit die Nr. 2 der Hersteller von Flurförderzeugen (wie z.B. Gabelstaplern) und gilt darüber hinaus als führender Anbieter von Automatisierungstechnologie (Roboter). Zuletzt hat der Konzern sich dabei insbesondere in diesem Bereich durch die Milliarden schwere Übernahme der US-amerikanischen Dematic verstärkt.

 

Umsatz- und Gewinnentwicklung

Heute gab es eine durchaus deftige Umsatz- und Gewinnwarnung, auf die ich gleich näher eingehen werde. Zuvor aber erst einmal die Entwicklung von Umsatz und Gewinn in den vergangenen drei Jahren.

Geschäftsjahr 2014 2015 2016
Jahresumsatz (in Mrd. Euro) 4,68 5,10 5,59
Umsatzwachstum +4,1% +9,0% +9,6%
EBIT-Gewinn (in Mio. Euro) 347,10 422,80 434,80
Gewinnwachstum (EBIT) -7,2% +21,8% +2,8%

Quelle: Onvista


Die ursprüngliche Planung für 2017e sah nun, auch dank der Dematic-Übernahme, einen Jahresumsatz von 7,5 bis 7,95 Mrd. Euro (+38,3%)  sowie ein EBIT zwischen 740 und 800 Mio. Euro (+77,1%) vorgesehen. Im Zuge der heute veröffentlichten Umsatz- und Gewinnwarnung hat man diese jedoch auf einen Jahresumsatz zwischen 7,4 und 7,7 Mrd. Euro sowie ein EBIT zwischen 715 und 765 Mio. Euro eingedampft.

Dies wirkt auf den ersten Blick erst einmal gar nicht so dramatisch, ist es aber durchaus. Zumal es sich wohl nicht um eine temporäre Schwäche handelt, sondern eine anhaltende. Schließlich hat man zugleich auch die eigenen Prognosen für den Auftragseingang von bisher 7,8 bis 8,25 Mrd. Euro auf nunmehr nur noch 7,55 bis 7,9 Mrd. Euro deutlich reduziert.

Hatte auch ich bis dato mit einem Jahresumsatz 2017e in Höhe von mindestens 7,8 Mrd. Euro sowie einem EBIT-Gewinn von mindestens 775 Mio. Euro gerechnet, muss ich diese Erwartungen deutlich zurücknehmen. Gemäß der neuen Prognosen des Vorstands rechne ich daher für 2017e nur noch mit einem Jahresumsatz in Höhe von 7,5 Mrd. Euro sowie einem EBIT-Gewinn in Höhe von 720 Mio. Euro. Zudem müssen nun sowohl die Analysten als auch ich für die kommenden Jahre neu rechnen.

Ich habe das heute früh bereits getan und sehe daher für 2018e ebenfalls relativ schwarz. So rechne ich jetzt nicht mal in 2018e mit einer Übertreffung der 8 Mrd. Euro Marke beim Umsatz. Meine Prognosen sehen derzeit wie folgt aus:

Geschäftsjahr 2017e 2018e
Jahresumsatz (in Mrd. Euro) 7,51 7,78
Umsatzwachstum +34,4% +3,6%
EBIT-Gewinn (in Mio. Euro) 720 738
Gewinnwachstum (EBIT) +65,6% +2,5%


Schaut man sich das an, erkennt man auch, warum Anleger heute so reagieren wie sie reagieren. Denn was zunächst nur nach einer leichten Verfehlung der Planzahlen ausschaut, dürfte sich im kommenden Jahr fortsetzen. Letztlich wird das Unternehmen wahrscheinlich nicht mal in 2018e die Planungen erfüllen, die man eigentlich für 2017e schon vorgesehen hatte. Oder drastischer formuliert: KION wird aktuell um Jahre zurückgeworfen.

 

Fehlentscheidungen des Managements: Nieten in Nadelstreifen

Ursächlich für diese katstrophale Entwicklung sehe ich dabei das Management um CEO Gordon Riske. Denn wenn sich ein Unternehmen mit einer Milliarden schweren Akquisition genau in einem Bereich verstärkt, der kurze Zeit später zu einer solchen Krise des Unternehmens führt, dann sind diese Manager für mich Nieten in Nadelstreifen. Das muss ich an dieser Stelle auch in dieser Härte formulieren. Da das Unternehmen jedoch in der Vergangenheit gar nicht schlecht geführt wurde, scheint mir der CEO den neuen Anforderungen nicht ganz gewachsen zu sein. Es ist halt etwas völlig anderes einen funktionierenden Konzern zu verwalten und damit auf Kurs zu halten oder aber große Investitionen in zukunftsträchtige Geschäftsfelder richtig zu investieren. So werfe ich Apple CEO Tim Cook ja nicht umsonst vor, dass er leider nur ein Verwalter des Erbes von Steve Jobs ist, völlig ohne eigene Visionen. Visionen scheint Riske zu haben, hier hapert es aber an der Umsetzung. Wenn er sich langfristig weiter in seinem Amt halten möchte, muss er nun zeigen, dass er der Aufgabe auch in stürmischen Zeiten gewachsen ist - oder gehen.

 

Charttechnik: Im Nachhinein war diese Gewinnwarnung im Chart schon erkennbar

Ich sagte zuletzt immer wieder, dass ich US-Aktien gegenüber deutschen Aktien bevorzuge. Das liegt nicht immer nur daran, dass die US-Konzerne besser wären. Das Beispiel General Electric vs. Siemens, wo ich Siemens den Vorzug geben würde, zeigt dies ja deutlich. Aber der US-Markt ist einfach viel besser reguliert, die SEC greift hart durch. So kann man bei US-Unternehmen zumeist nicht schon im Vorfeld erkennen, dass eine positive oder negative Nachricht bevorsteht. KION ist nun wieder mal ein Beispiel dafür, wie es - leider - in Deutschland ausschaut. Einige wussten da wohl schon mehr! Schauen wir uns den Chart mal an.


KION Group, Chart, 1 Jahr (in Euro)

Quelle: Guidants


Denn wie man diesem Chartbild unschwer entnehmen kann, befand sich die Aktie lange in einem lupenreinen Aufwärtstrend und versuchte vor einigen Wochen sogar den Ausbruch nach oben, was in einer Beschleunigung des Aufwärtstrends geendet wäre. Dies schaffte sie aber nicht - so weit, so gut, so normal (sowas muss eine Aktie nicht schaffen, erst Recht nicht in dem Marktumfeld, dass wir im Sommer hatten). In den letzten Tagen kam dann jedoch Verkaufsdruck auf, der die Aktie genau zur unteren Begrenzung des Aufwärtstrendkanals zurückführte. Auch das ist natürlich noch im Rahmen einer normalen Korrektur/Konsolidierung kein Beinbruch. Heute aber eröffnete die Aktie, aufgrund der Hiobsbotschaft, mit einem fetten Downgap und hat damit den langfristigen Aufwärtstrend gebrochen. Prinzipiell wurde somit ein Verkaufssignal aktiviert, dass die Aktie auf unter 60 Euro zurück drücken dürfte. Das theoretisch Kursziel im Bereich 58 Euro habe ich daher eingezeichnet.

Das Problem an der Sache ist nun, dass dies der Boden werden könnte, aber keineswegs muss. Wir hatten zuletzt zwei ähnliche Fälle aus dem TecDAX, nämlich Nordex und GFT Technologies - und beide sind bis heute noch nicht wieder auf die Beine gekommen. Daher fehlt mir der Mut hier zum Einstieg zu blasen, selbst zu Kursen unter 60 Euro würde ich das noch nicht tun. Allerdings sollte es in diesem Bereich zumindest mal zu einer kurzfristigen Gegenbewegung nach oben kommen. Generell aber gilt: Was die Anleger heute tun, ist korrekt. Rette sich wer kann, ein Ende mit Schrecken ist allemal besser als ein Schrecken ohne Ende.

 

Fazit: Fundamental und charttechnisch angeschlagen!

Somit bleibt als Fazit nur zu schreiben: Die heutige Umsatz- und Gewinnwarnung kam zwar ziemlich aus heiterem Himmel, sie war jedoch im Chartbild bereits im Vorfeld zu erahnen. Eigentlich müsste ich daher an dieser Stelle zum Verkauf oder sogar Shorten der Aktien animieren. Denn ein Kursrutsch unter die 60 Euro Marke ist eigentlich unvermeidbar. Am Wort eigentlich erkennen Sie jedoch bereits, dass es noch ein Argument dagegen gibt, leider ein gewichtiges. Denn 43,3% des Aktienkapitals werden von der chinesischen Weichai Power gehalten, der seine Anteile in der Vergangenheit auch schon aufgestockt hat und dem ein latentes Interesse an einer Komplettübernahme von KION nachgesagt wird. Sollten die Chinesen also Ernst machen und den aktuellen Ausverkauf zum Ausbau der Beteiligung oder gar für ein Übernahmeangebot nutzen, wäre jegliche fundamentale und charttechnische Analyse hinfällig. Insofern ist die Aktie gegenwärtig extrem schwierig einzustufen. Nur eins sollte man wohl zurzeit nicht: Das Risiko eingehen und hier einsteigen. Denn das wäre Harakiri.

Offenlegung von eigenen Positionen

Ich halte keine Position (direkt oder über Derivate) in der in dem Artikel behandelten Aktie.

Offenlegung von Geschäftsbeziehungen

Ich habe diesen Artikel selbst geschrieben und meine eigene Meinung wiedergegeben. Ich erhalte keine Vergütung für diesen Artikel (außer ggf. von Spekunauten). Ich habe keine Geschäftsbeziehungen mit einem der im Artikel genannten Unternehmen.

Kein Spekunaut hat diese Aktie im Portfolio

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    Kommentare (3)

  • JojoMN vor ungefähr einem Jahr

    Super Artikel

  • MMeier vor ungefähr 2 Jahren

    Da hat wohl einer meinen Artikel gelesen, Kursziel auch hier: 58 Euro. ;)

    http://www.deraktionaer.de/aktie/kion-group-nach-leichter-prognosesenkung-schwer-unter-druck-341080.htm

    Ray123 vor ungefähr 2 Jahren

    Auch die Commerzbank hat das Kursziel für Kion nach der Analystenkonferenz zur Gewinnwarnung von 80 auf 70 Euro gesenkt. Damit sind sich dann wohl alle einig: Die Commerzbank, der Aktionär und MMeier :)

    MMeier vor ungefähr 2 Jahren

    Nicht ganz, denn die Commerzbank sieht ja einen viel höheren Zielkurs. Aber wahrscheinlich können die Staatsbänker einfach nur nicht richtig abschreiben!! ;)

    Ray123 vor ungefähr 2 Jahren

    Stimmt, da habe ich mich mit den Zielkursen vertan...
    Vielleicht erkennen die Bänker ja ihren "Fehler", wenn der Kurs unter 70 EUR gefallen ist :)

  • Ray123 vor ungefähr 2 Jahren

    Hervorragend analysiert, werter MMeier!
    Die vielen Verzögerungen bei Planungs- und Genehmigungsprozessen haben sicherlich auch dazu beigetragen die Misere beim MDax-Konzern zu beschleunigen. Darüberhinaus dürfte sich KION mit der Übernahme von Dematic wohl etwas übernommen haben. Denn mit einem Kaufpreis von rund zwei Milliarden Dollar und einem Gesamtvolumen von 3,25 Milliarden Dollar inklusive Schulden handelt es sich bei Dematic immerhin um den größten Zukauf in der Firmengeschichte.
    Da der Dematic-Kauf im vergangenen Jahr größtenteils noch nicht in der Bilanz steckte, konnte KION in den ersten neun Monaten des Jahres kräftig zulegen. Das ist nun augenscheinlich vorbei - der Konzern rauschte allein heute um 13% in die Tiefe!

    Zu Gute muss man allerdings halten - was das Interesse der Chinesen sicherlich auch erklären würde - dass das Wiesbadener Unternehmen sein Geschäft mit Komplettlösungen rund um Logistikfragen voranbringen will. Das US-Unternehmen Dematic könnte da der richtige Schritt gewesen sein. Positiv ist sicherlich auch, dass durch die Integration die Zahl der Mitarbeiter um rund 7000 auf knapp 31 000 anzog.
    Die (wirtschaftliche) Zukunft des Unternehmens aber hängt, wie MMeier schon oben ausführlich darlegte, am seidenen Faden...

    MMeier vor ungefähr 2 Jahren

    Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen, vielen Dank!! ;)