Schnelle 100 Prozent mit viel Licht und wenig Schatten

20.07.2017 | Artikel über Billing Services Group (BMG110261044) von Alexander Coenen

Zusammenfassung

  • Klassischer Restrukturierungswert: Weg von Abrechnungen für Festnetzanbieter hin zu kabelloser Telefonie und Hot Spots
  • Günstig: Börsenwert (9,6 Millionen Euro) deutlich unter Barreserven (13,2 Millionen Euro Stand 31.12.2016)
  • Profitabel: Nachsteuergewinn in Höhe von knapp 9 Millionen Euro
  • Margenstark: Bruttomarge auf 53% erhöht
  • Referenzkunden: AT&T, Boingo Wireless, Comcast, Deutsche Telekom, Panasonic, Telus

Einschätzung

Aktie kaufen als kurzfristige Idee

Die Billing Services Group Limited (ISIN: BMG110261044 / WKN: A0ERT0) notiert seit dem 15. Juni 2005 an der AIM in London. Zweitlistings in Berlin und Frankfurt gibt es seit dem 20. Juli 2012. Die Gesellschaft ist sehr mehr als 25 Jahren im Bereich der Abrechnung von Festnetzgebühren für vornehmlich Nordamerikanische Telekommunikationsgesellschaften tätig.

Da die Festnetz-Telefonie zu Gunsten des Mobilfunks stetig zurückgeht, hat die Billing Services Group mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen. Darüber hinaus wurden gerade in jüngster Zeit bedeutende Kunden verloren.

Auch das EBITDA wurde in Mitleidenschaft gezogen und sank parallel zu den Umsätzen Jahr für Jahr:

Restrukturierung und Neupositionierung tragen jedoch erste sichtbare Früchte: Der Verfall der EBITDA-Marge konnte gestoppt werden und die 2016er Zahlen lassen Hoffen dass das Tal der Tränen nun durchschritten wurde. Die EBITDA-Marge konnte jedenfalls zum ersten Mal seit Jahren steigen:

Bemerkenswert ist hier sicherlich die Management-Leistung, dank derer der Overhead im abgelaufenen Geschäftsjahr um 1,9 Millionen USD gesenkt werden konnte.

Strategisch wichtig für die Zukunft des Unternehmens sind zwei Schritte:

1) Wandel vom "third-party billing" Dienstleister für die großen Telekom-Unternehmen hin zum "direct billing". Dies bedeutet, dass die Billing Services Group direkt mit dem Endkunden abrechnet und die Rechnungsbeträge einzieht. Dieser Wandel wurde bereits vor 7 Monaten vollzogen und die Billing Services Group erhält eine sehr positive Resonanz von ihren Kunden.

2) Ausbau des "Wireless Business": Hier konnten innerhalb weniger Monate große Konzerne wie AT&T, Boingo Wireless, Comcast, Deutsche Telekom und Telus gewonnen werden. Weitere Großkonzerne sollten kurzfristig hinzukommen.

Während der Umsatz im klassischen Festnetz-Abrechnungsgeschäft sinkt, steigt der Umsatz im Bereich "Wireless Business" rapide.

Patrick D. Heneghan, Chairman der Billing Services Group: "Wir werden weiterhin in die Entwicklung neuer Dienstleistungen investieren, um den Kundenbedürfnissen gerecht zu werden. Unser übergeordnetes Ziel ist es, Dienstleistungen anzubieten, die die Bedürfnisse der Kunden umfassend erfüllen und den Kunden einfache Schnittstellen bieten."

Analysten gehen davon aus, dass der Umsatz der Gesellschaft ab 2018 dank dem Wireless Business erneut ansteigt. Die versprochenen Innovationen könnten zudem positiv überraschen. Dank der optimierten Margensituation würde sich dieser Anstieg überproportional auf die ohnehin vorhandene Profitabilität auswirken. Der Aktienkurs sollte sich in diesem Fall markant nach oben entwickeln.

Aber auch bereits jetzt ist der Chart der Gesellschaft sehr ansprechend. Der nachfolgende Chart wurde aus meinem Bloomberg Terminal gezogen und zeigt den Kursverlauf der vergangenen 2 Jahre an der AIM in London.

 Es ist ganz deutlich eine Bodenbildung auf dem aktuellen Niveau festzustellen. Das Orderbuch zeigt dabei deutlich stärkere Geld- als Briefseiten, womit der Kurs auf dem aktuellen Niveau nach unten abgesichert erscheint. Nach oben kann es bei diesem doch volatileren Wert schnell einmal 100 Prozent gehen, womit ich um ehrlich zu sein aus folgenden Gründen auch rechne:

1. Von der Newsfront sind sämtliche Hiobsbotschaften und Bad News eingepreist: Ich rechne hier eher mit Good News hinsichtlich der Gewinnung neuer Kunden / Kooperationspartner für das "Wireless Business" beziehungsweise neuer Produkte.

2. Fundamental handelt es sich um ein gesundes Unternehmen. Wenngleich die Umsätze seit Jahren kontinuierlich sinken, generiert das Unternehmen noch immer signifikante Gewinne. Somit ist es nicht gerechtfertigt, dass der aktuelle Börsenwert einen Abschlag von knapp 40 Prozent auf die Barreserven hat. Dies sollte sich spätestens mit den ersten guten Nachrichten nivellieren.

In Bezug auf die Handelsplätze ist die AIM der eindeutig liquidere Handelsplatz. In den vergangenen 12 Monaten wurden Aktien im Wert von umgerechnet 1,4 Millionen Euro gehandelt. Nach Deutschland hat sich ab und an einmal eine Order verirrt. Diese Irrungen summieren sich aber lediglich auf 1.800 Euro in den vergangenen 12 Monaten. Folglich ist der Spread des Spezialisten auch recht groß. Wer hier also wie ich auf einen Turnaround auch an der Börse spekuliert, der sollte an der AIM zugreifen.

Offenlegung von eigenen Positionen

Ich halte keine Position (direkt oder über Derivate) in der in dem Artikel behandelten Aktie.

Offenlegung von Geschäftsbeziehungen

Ich habe diesen Artikel selbst geschrieben und meine eigene Meinung wiedergegeben. Ich erhalte keine Vergütung für diesen Artikel (außer ggf. von Spekunauten). Ich habe keine Geschäftsbeziehungen mit einem der im Artikel genannten Unternehmen.

    Kommentare (0)