Dank Monsanto Übernahme auf dem richtigen Weg

08.11.2017 | Artikel über Bayer (DE000BAY0017) von HBMännchen

Zusammenfassung

  • Bayer hat sich in der Vergangenheit schon mehrfach restrukturiert
  • Die aktuelle Neuausrichtung ist jedoch die umfassendste, die es je gab
  • Bei aller (berechtigten) Kritik sehe ich den Konzern daher auf dem richtigen Weg

Einschätzung

Aktie kaufen als langfristige Idee

Unternehmensprofil

Die Leverkusener Bayer AG ist eines der weltweit führenden Unternehmen in den Geschäftsbereichen Agrarwirtschaft, Pharmazie und High-End-Werkstoffe. Das breite Sortiment des Konzerns umfasst diverse Medikamente (besonders bekannt: Aspirin), optimiertes Saatgut, verschiedene Mittel zum Pflanzenschutz bzw. zur Schädlingsbekämpfung sowie industrielle Werkstoffe. Dabei hat man letzteren Geschäftsbereich inzwischen weitestgehend in die beiden börsen-notierten Tochtergesellschaften Covestro und Lanxess ausgegliedert, wobei sich Bayer aus Lanxess inzwischen komplett zurückgezogen hat.

Zur Stärkung des Pharmageschäfts hat man 2014 das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten (OTC, Over The Counter) des US-Konzerns Merck & Co. übernommen. Zuletzt stand dann jedoch die Stärkung des Geschäfts mit optimiertem Saatgut sowie Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln - und somit die Übernahme von Monsanto - im Fokus. Dabei soll dieser Mega-Merger, die den Konzernumbau der letzten Jahre vorläufig abschließen dürfte, in den ersten Wochen des kommenden Jahres (2018) endgültig finalisiert werden.

 

Die Zukunft des Unternehmens

Nachdem man sich aus dem Geschäft mit industriellen Werkstoffen nahezu komplett zurückgezogen hat (die Beteiligung an Covestro dürfte in Zukunft ebenfalls in Richtung 0% reduziert werden), steht der Konzern zukünftig nur noch auf zwei anstatt bisher drei Beinen, nämlich dem Geschäftsbereichen Pharmazie und dem Geschäftsbereich Agrarwirtschaft (optimiertes Saatgut, Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel). Dabei ist man im Geschäftsbereich Pharmazie global betrachtet eher eine kleine Nummer. Im Geschäftsbereich Agrarwirtschaft steigt man dank Monsanto hingegen zum Weltmarktführer auf. Es wäre daher wünschenswert zukünftig auch noch das Pharmageschäft durch Übernahmen zu stärken, dies dürfte jedoch aufgrund des hohen Kaufpreises für Monsanto so schnell nicht möglich sein.

Somit sollten Investoren diesen Geschäftsbereich genau im Auge behalten. Trotzdem halte ich es für richtig, dass der Konzern in Zukunft wenigstens weiterhin auf zwei Beinen stehen möchte. Denn voll auf die Agrarwirtschaft zu setzen, könnte auch ins Auge gehen. Schließlich kämpft man hier mit Konkurrenten wie Chemchina/Syngenta, wobei Monsanto selbst in der Vergangenheit ein Interesse an Syngenta hatte.

 

Umsatz- und Gewinnentwicklung zuletzt und in Zukunft

Werfen wir nun einen Blick auf das Zahlenwerk zuletzt sowie die Erwartungen an die Zukunft!

Geschäftsjahr (per 31.12.) 2014 2015 2016 2017e 2018e 2019e
Jahresumsatz (in Mrd. Euro) 42,24 46,32 46,77 35,65* 37,82 39,84
Umsatzwachstum +5,2% +9,7% +1,0% +5,3%* +6,1% +5,3%
Gewinn je Aktie 4,14 4,97 5,44 7,04* 7,68 8,25
Gewinnwachstum +7,3% +20,0% +9,5% +29,4%* +9,1% +7,4%

* um Covestro bereinigt

Quelle: Onvista und eigene Schätzungen


Wie man erkennen kann, dürfte die neue Bayer zukünftig ein durchschnittliches Umsatzwachstum (CAGR) von 5-6% p.a. sowie ein leicht überproportionales Gewinnwachstum von rund +8% p.a. aufweisen. Angesichts der bereits erreichten Größe des Konzerns ist dies als durchaus ordentlich zu bezeichnen. Trotz des Wachstums sollten Aktionäre jedoch vorerst keine Dividendenerhöhungen erwarten, da zunächst die im Zuge der Monsanto-Übernahme angehäuften Schulden reduziert werden müssen. Angesichts einer Dividende von knapp 3,00 Euro je Aktie (Dividendenrendite: ca. 2,5%) lässt sich dies jedoch verschmerzen, denke ich.

 

Fundamentale Bewertung

Angesichts der zu erwarteten Wachstumsraten würde ich der Aktie der Bayer AG aktuell ein KUV zwischen zwei und drei sowie ein KGV von bis zu 16 zugestehen. Bei einer aktuellen Marktkapitalisierung in Höhe von knapp 95 Mrd. Euro weist die Aktie zurzeit ein aktuelles KUV von ca. 2,65 sowie ein aktuelles KGV von ca. 16,2 auf. Somit ist sie auf den ersten Blick relativ fair bewertet.

Allerdings schaut die Börse in der Regel immer 6-12 Monate in die Zukunft. Daher muss man die Aktie eigentlich bereits mit den in Aussicht gestellten Umsatz- und Gewinnerwartungen für 2018e bewerten. Unterstellt man hier eine ähnliche Bewertung wie aktuell, läge der fundamental faire Wert der Aktie zwischen 121,15 und 122,88 Euro liegen, also grob bei 122,00 Euro. Wer die Aktie jedoch heute auf Sicht eines Jahres kauft, muss dann ja sogar die in Aussicht gestellten Umsatz- und Gewinnerwartungen für 2019e heranziehen. Demnach läge dann das Kursziel auf Sicht von gut 12 Monaten zwischen 127,67 und 132,00 Euro, auch hier rund ich wieder auf 130,00 Euro.

Obwohl die Aktie also aktuell fair bewertet erscheint, bietet sie auf Sicht eines Jahres ein Kurspotenzial von ca. +14% zzgl. der Dividende. Dies mag nicht so hoch sein wie bei Infineon oder anderen Titeln, rechtfertigt aus meiner Sicht aber immer noch die Einschätzung als Kaufkandidat.

 

Charttechnik: Korrekturphase scheint gute (Nach)Kaufgelegenheit!

Bayer AG, Chart, 1 Jahr (in Euro) (Quelle: comdirect)


Die Aktie notierte vor wenigen Wochen noch deutlich über 120 Euro. Dann kam es zu einer Gewinnwarnung, die den Titel kurzfristig in Richtung 102/103 Euro zurückfallen ließ. Mit der Kursrally des DAX im Rücken ging es zuletzt wieder in Richtung 120 Euro, womit der charttechnische Ausbruch über den Widerstand 112/113 Euro vollzogen und ein Kaufsignal generiert wurde. Allerdings setzten sowohl der DAX als auch die Aktie in den letzten Tagen wieder etwas zurück. Beim DAX könnte, wenn dieser Rücksetzer ein klassischer Pullback auf den Ausbruchspunkt wird, kurzfristig noch weitere Kursverluste in Richtung 12.900/13.000 Punkte drohen. Bayer müsste hier dann aber Stärke zeigen, denn wenn es hier auch eine Pullback-Bewegung sein soll, darf die Aktie NICHT unter 110 Euro zurückfallen. Daher bietet sich ein Stoppkurs knapp unterhalb von 110 Euro, z.B. bei 108,72 Euro an. Das Kursziel aus dem eigentlich kürzlich generierten Kaufsignal liegt hingegen bei - welch ein Wunder! - im Bereich 130-135 Euro.

 

Fazit: Solange sich die Aktie über 110 Euro halten kann bietet sie mehr Chancen als Risiken!

Das Fazit mache ich an dieser Stelle mal kurz: Die Korrekturbewegung zuletzt bietet interessierten Anlegern noch immer eine gute Einkaufsgelegenheit. Denn solange sich die Aktie über 110 Euro halten kann, gilt das Kaufsignal weiterhin als intakt. Das Kursziel daraus, das auch fundamental herleitbar ist, liegt bei mindestens 130 Euro. Zur Absicherung bietet sich ein Stoppkurs unterhalb von 110 Euro (bspw. die genannten 108,72 Euro) an.

Offenlegung von eigenen Positionen

Ich halte keine Position (direkt oder über Derivate) in der in dem Artikel behandelten Aktie.

Offenlegung von Geschäftsbeziehungen

Ich habe diesen Artikel selbst geschrieben und meine eigene Meinung wiedergegeben. Ich erhalte keine Vergütung für diesen Artikel (außer ggf. von Spekunauten). Ich habe keine Geschäftsbeziehungen mit einem der im Artikel genannten Unternehmen.

    Kommentare (1)

  • Ray123 vor 7 Tagen

    Wieder eine Top-Empfehlung von dir, HBMänchen!

    Das einzige, was man kritisch an einem Investment bei Bayer ansehen muss, ist die geplante Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Übernahme von Monsanto. Finanzchef Johannes Dietsch sagte zwar, dass diese zwar nicht dieses Jahr erfolgen solle, aber in 2018. Wie groß diese ausfallen wird, ließ er weiter offen. "Zwar gebe es etwa mit dem Covestro-Anteilsverkauf und den geplanten Verkäufen an BASF positive Faktoren, die mehr Geld in die Kasse spülten als erwartet. Doch gleichzeitig gebe es auch negative Faktoren wie etwa die Wechselkursentwicklung. Man müsse eine Balance finden", erklärte er weiter.
    Ich bleibe daher vorerst an der Seitenlinie...

    HBMännchen vor einem Tag

    Kurzfristig nicht die dümmste Idee, aber ich betrachte Bayer langfristig als klar positiv.